Nachhaltige Perioden-Produkte im Fokus
Jedes Jahr widmet sich der „Changing Room“ einem Thema rund um Nachhaltigkeit, sozialem Wandel und Innovationen im Textilbereich. Für diese kleinen Ausstellungen sucht sich das Museum jeweils inspirierende Partner*innen.

Menstruation und Nachhaltigkeit – jenseits von Tabus diskutieren
Dieses Jahr arbeitet das Museum mit „La Blutique – der Periodenladen“ aus Berlin-Kreuzberg zusammen. In der kleinen Sonderausstellung wird deutlich, welche Verbesserungen technische Textilien für den Alltag von menstruierenden Personen bringen können und welche nachhaltigen Alternativen zu herkömmlichen Einwegprodukten es gibt: Unterhosen mit Saugkern, Tampons aus Meeresalgen oder Naturschwämme. „La Blutique“ ist mehr als nur ein Geschäft: Josefine Marwehe und ihr Team engagieren sich intensiv für Aufklärung und mehr Selbstbewusstsein. Sie besuchen Schulen, bieten Workshops an und schaffen Räume, in denen offen über Körper, Sexualität und Gleichberechtigung gesprochen werden kann.
Das Team des „Changing Room“ – Nora Thorade und Judith Bauernfeind – widmet sich mit der Menstruation einem Thema, das oft noch tabuisiert wird. Und das, obwohl es alltäglich und relevant ist. Es fanden bereits mehrere Workshops mit Akteur*innen rund um das Thema Periode und Textiltechnik statt, Gesprächsformate luden zum Austausch ein.
Auch über das Ausstellungsprojekt hinaus zeigt das Deutsche Technikmuseum Haltung: Seit zwei Jahren stellt das Museum kostenfrei Periodenprodukte auf den Toiletten zur Verfügung. Das Angebot wird von den Besuchenden gut angenommen und ist ein klares Zeichen dafür, dass gesellschaftlich relevante Themen aufgegriffen und erfolgreich in den Museumsalltag integriert werden können.
Fokus im „Changing Room“: nachhaltige Textilindustrie
Die globale Textilindustrie steht seit Jahren im Zentrum kritischer Debatten. Spätestens seit dem verheerenden Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013, bei dem mehr als 1135 Menschen ums Leben kamen, geraten die Produktions- und Wirtschaftsformen der Branche immer stärker in die öffentliche Kritik. Ausbeuterische Arbeitsbedingungen, riesige Textilmüllberge und ein immer schnellerer Modekreislauf – die negativen Folgen von Fast Fashion und neueren Phänomenen wie Ultra Fast Fashion sind nicht mehr zu übersehen. Doch wie können wir als Gesellschaft darauf reagieren? Welche Alternativen gibt es? Und welche Rolle spielen die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst?
Partizipatives Ausstellungsformat
Diesen Fragen widmet sich das Deutsche Technikmuseum seit 2022 mit dem partizipativen Kommunikations- und Ausstellungsformat „Changing Room“ im Bereich der Textiltechnik. Der Titel ist dabei bewusst doppeldeutig gewählt. Die Umkleidekabine verweist einerseits auf das Thema Textil, steht in ihrer englischen Bedeutung aber auch sinnbildlich für den notwendigen Wechsel: für Veränderungen, die weltweit angestoßen werden müssen, um eine nachhaltigere und gerechtere Textilproduktion zu fördern.
Im „Changing Room“ stellt das Museum einen Raum zur Verfügung, um Initiativen, die sich für Nachhaltigkeit, faire Produktionsbedingungen und soziale Verantwortung einsetzen, eine Bühne zu geben. Ziel ist es, zentrale Fragen, Perspektiven und Ideen dieser Akteure sichtbar zu machen und Besuchende zur aktiven Auseinandersetzung einzuladen. Das Projekt verbindet die aufklärerische Funktion des Museums mit aktivierenden Formaten: Es geht nicht nur um das Vermitteln von Wissen, sondern auch darum, zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten, nachhaltiges Handeln und gesellschaftspolitische Forderungen anzuregen.
Die Auswahl der beteiligten Initiativen ist dabei bewusst vielfältig, um möglichst unterschiedliche Stimmen und Ansätze zu präsentieren. Das Deutsche Technikmuseum versteht sich so als Plattform für neue Expertisen und als Ort des Austauschs. Besonders wichtig ist dabei eine niedrigschwellige und alltagsnahe Vermittlung, die alle Besuchenden abholt – unabhängig von Vorwissen oder Alter.