Ehrenamtliche übergeben restaurierte Iljuschin IL-14P
Mit großem Engagement, sehr viel Geduld und Fachwissen hat eine Gruppe von Ehrenamtlichen über fast 20 Jahre hinweg beharrlich ihr Ziel verfolgt: die Restaurierung des Flugzeugs IL-14P aus der Sammlung des Deutschen Technikmuseums. Am 24. Juli 2025 fand das außergewöhnliche Projekt im Rahmen einer kleinen Feierstunde mit symbolischer Schlüsselrückgabe an Museumsdirektor Joachim Breuninger im Hangar 4 des Flughafens Tempelhof seinen erfolgreichen Abschluss.

Von der Idee zum Projekt
Erste Überlegungen, das stark überholungsbedürftige Flugzeug IL-14P aufzubauen, gab es im Herbst 2005, gut ein halbes Jahr nach der Eröffnung der Dauerausstellung Luftfahrt. Mit maßgeblicher Unterstützung eines langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiters des Museums gelang es, rund 20 Ehrenamtliche zu gewinnen, die ab Frühjahr 2006 zu regelmäßigen Arbeitstreffen in einem Hangar des damals noch im Betrieb befindlichen Flughafens Tempelhof zusammenkamen. Dort war das zerlegte Flugzeug eingelagert. Nach umfangreichen Reinigungsarbeiten und einer ersten Befundung formulierten die Ehrenamtlichen in Abstimmung mit dem Museum das Projektziel: Rollfähiger Wiederaufbau der IL-14P als Beispiel für die DDR-Luftfahrt für Ausstellungszwecke.

Bedeutsames Flugzeug der DDR-Luftfahrt
Die IL-14 ist eine Entwicklung des sowjetischen Konstruktionsbüros Iljuschin, deren Erstflug 1950 erfolgte. Als zweimotoriges Passagier- und Transportflugzeug kam sie in nahezu allen sozialistischen Staaten zivil und militärisch zum Einsatz. Die meisten IL-14 wurden in der Sowjetunion gebaut. Lizenzfertigungen gab es in der Tschechoslowakei und in der DDR. Von 1956 bis Ende 1958 produzierte der Volkseigene Betrieb Flugzeugwerke Dresden insgesamt 80 Flugzeuge der Version IL-14P. Das P weist die IL-14 als Passagierversion aus. Die Fertigung in der DDR erfolgte in eigener Verantwortung und ermöglichte die Weiterentwicklung des Flugzeugtyps. So geht etwa die Erhöhung der ursprünglichen Sitzplatzkapazität von 18 auf 26 auf Änderungen durch den VEB Flugzeugwerke Dresden zurück.


Fotos: Slg. Klaus Czepluch
Die IL-14P des Deutschen Technikmuseums stammt aus dem VEB-Werk in Dresden-Klotzsche. Im Oktober 1958 wurde sie an die Nationale Volksarmee (NVA) ausgeliefert. Nach mehrjährigem Einsatz als Schul- und Fallschirmspringerflugzeug ließ die NVA sie 1965 zu einem Fotoflugzeug umrüsten. Dazu wurde auf der Rumpfunterseite eine Gondel mit Verglasung für die Kamera eingebaut. Ende 1982 übergab die NVA das Flugzeug an die staatliche Fluggesellschaft Interflug, die es etwa ein Jahr lang in der Abteilung „Fernerkundung, Industrie und Forschungsflug“ (FIF) als Fotoflugzeug weiternutzte. Die angefertigten Luftbildaufnahmen wurden für wirtschaftliche und wissenschaftliche Zwecke verwendet sowie zur Aufzeichnung von Bodenveränderungen. 1984 übernahm das Ministerium für Staatsicherheit die IL-14P und nutzte sie auf dem Flugplatz Eilenburg in Sachsen, um am Boden Anti-Terror-Einsätze zu trainieren. Flugeinsätze absolvierte die IL-14P nicht mehr. Nach dem Mauerfall stand das Flugzeug noch einige Jahre unbeaufsichtigt auf dem Flugplatzgelände und erlitt weitere Schäden durch Vandalismus und die Entwendung von Einbauten. 1992 überließ die Treuhandanstalt das Flugzeug dem Deutschen Technikmuseum, das zunächst keine Kapazitäten für eine Aufbau hatte und es deshalb bis zur Gründung der ehrenamtlichen Restaurierungsgruppe einlagerte.
Wertvolles Erfahrungswissen und fachliche Expertise
Das Flugzeug ging in fachkundige Hände über: Fast alle Ehrenamtlichen verfügen über Luftfahrtexpertise und haben vor ihrem Ruhestand als Piloten, Mechaniker, Ingenieure oder bei der Flugsicherung gearbeitet. Viele von ihnen waren in der DDR für Interflug tätig und kennen das Flugzeugmuster aus der Praxis. Im Lauf der Jahre meldeten sich weitere Freiwillige und stiegen in das Projekt ein. Es entstand ein starkes Team, das sich durch große Leidenschaft für seine Aufgabe auszeichnete.
Für die aufwendige Restaurierung von Rumpf, Tragflächen und Motoren waren die umfangreichen Fachkenntnisse der Teammitglieder von unschätzbarem Wert. Daneben brauchte es immer wieder auch Einfallsreichtum und Pragmatismus, etwa bei der Herstellung von Fehlteilen, die trotz intensiver Recherchen nicht mehr beschafft werden konnten. Rund 150.000 Arbeitsstunden investierten die Ehrenamtlichen über die Jahre in den Aufbau des Flugzeugs. Ohne diesen engagierten Einsatz, an dem das Team trotz mehrfacher Werkstattumzüge, jährlicher Winterpausen und einer längeren Pandemie-Unterbrechung unermüdlich festgehalten hat, hätte das Projekt nicht realisiert werden können. Jetzt präsentiert sich die IL-14P wieder in ihrem Zustand, den sie Mitte der 1960er Jahre hatte: als silbernes Fotoflugzeug mit Gondel unter dem Rumpf.

Die Iljuschin IL-14P bleibt bis auf Weiteres auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof untergebracht. Sie kann dort im Rahmen von Führungen der Tempelhof Projekt GmbH von außen besichtigt werden.
Der Dank des Deutschen Technikmuseums gilt allen Ehrenamtlichen, die über die Jahre an der Restaurierung mitgewirkt haben!