Ein Ein­gang als Einladung

Pla­nun­gen für das neue Ein­gangs­ge­bäu­de sind angelaufen

Ein neu­es Ein­gangs­ge­bäu­de für das Deut­sche Tech­nik­mu­se­um ist drin­gend not­wen­dig. Die Pla­nun­gen für das nach­hal­tig ange­leg­te Bau­pro­jekt haben bereits begonnen.

200 Schü­le­rin­nen und Schü­ler drän­gen sich im Ein­gang des Deut­schen Tech­nik­mu­se­ums. Eine Leh­re­rin ver­sucht, ihre Grup­pe für eine anste­hen­de Füh­rung zusam­men­zu­hal­ten. Ganz nor­ma­le Besu­chen­de haben Schwie­rig­kei­ten, in dem Gedrän­ge die Kas­se zu ent­de­cken. Die Luft ist zum Schnei­den dick, die Schließ­fä­cher sind bereits gefüllt – ein ganz nor­ma­ler Vor­mit­tag im Ein­gangs­be­reich des Deut­schen Tech­nik­mu­se­ums in der Treb­bi­ner Straße. 

Nicht erst die Coro­na-Pan­de­mie hat deut­lich vor Augen geführt, dass der zen­tra­le Fla­schen­hals des Muse­ums das heu­ti­ge Foy­er ist. Ist man erst ein­mal durch den hek­ti­schen und lau­ten Ein­gangs­be­reich hin­durch, wei­tet sich das Haus in vie­le Aus­stel­lungs­be­rei­che, in denen sich auch sehr vie­le Besu­chen­de zur glei­chen Zeit gut ver­tei­len kön­nen. Seit Öff­nung des Muse­ums in der Treb­bi­ner Stra­ße 1983 ist viel pas­siert. Aus­stel­lungs­be­rei­che wie Lok­schup­pen und der soge­nann­te Neu­bau, aber auch die kom­plet­te Lade­stra­ße sind dazu­ge­kom­men. Ein viel­fäl­ti­ges und sehr umfang­rei­ches Bil­dungs­an­ge­bot stei­gert die Attrak­ti­vi­tät des Hau­ses noch mehr, sodass die heu­ti­gen Ein­gän­ge in der Treb­bi­ner Stra­ße und der Lade­stra­ße den bis zu 700.000 Besu­chen­den im Jahr schon lan­ge nicht mehr genügen.

Eine Lösung muss­te also her. Bereits 2019 wur­de das Bedarfs­pro­gramm für ein neu­es Ein­gangs­ge­bäu­de für das Deut­sche Tech­nik­mu­se­um ver­ab­schie­det. Heu­te, im Jahr 2025, befin­den wir uns mit­ten in der Bau­pla­nung zu einem neu­en Ein­gangs­ge­bäu­de. Dazwi­schen fand ein Archi­tek­tur­wett­be­werb statt, der schließ­lich zwei Ent­wür­fe vor­ne sah, bei­de von öster­rei­chi­schen Archi­tek­tur­bü­ros. Letzt­lich durch­ge­setzt hat sich der Ent­wurf des Wie­ner Archi­tek­ten­bü­ros quer­kraft, der mit einer ein­la­den­den Ges­te weit aus­ge­streck­ter Arme zukünf­tig die Besu­chen­den des Deut­schen Tech­nik­mu­se­ums in einem licht­durch­flu­te­ten Ein­gangs­ge­bäu­de emp­fan­gen wird. Ein zen­tra­ler Ein­gang, der sich über ein gran­dio­ses Foy­er zu einer Brü­cke zwi­schen dem Sci­ence Cen­ter Spec­trum und dem soge­nann­ten Neu­bau ent­wi­ckelt, wird zukünf­tig die Besu­chen­den­strö­me auf­neh­men und alle Muse­ums­be­rei­che mit­ein­an­der verbinden.

Zen­tra­le Gar­de­ro­ben und Schließ­fä­cher, ein Muse­ums­shop, eine moder­ne groß­zü­gi­ge Gas­tro­no­mie, die auch außer­halb der Öff­nungs­zei­ten des Muse­ums zugäng­lich sein wird, und ein zen­tra­ler Aus­stel­lungs­be­reich für Wech­sel­aus­stel­lun­gen des Hau­ses wer­den Teil die­ses neu­en Ein­gangs­ge­bäu­des sein und somit das Besuchs­er­leb­nis für alle deut­lich verbessern. 

Nach­hal­tig­keit ist ein wich­ti­ger Wert für das Deut­sche Tech­nik­mu­se­um. Dem­entspre­chend soll auch der Betrieb des neu­en Gebäu­des nach­hal­tig mög­lich sein. Auf über­bor­den­de und ener­gie­in­ten­si­ve Kli­ma­tech­nik wird bewusst ver­zich­tet, die gro­ßen Dach­flä­chen wer­den den Strom­be­darf des neu­en Gebäu­des über Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen decken. Teil des Kon­zep­tes wird auch der nach­hal­ti­ge Umgang mit Regen­was­ser sein, das im Sin­ne des Kon­zepts der Schwamm­stadt auf dem Gelän­de gesam­melt und dort nur lang­sam ver­si­ckern wird.

Natür­lich wird der neue Ein­gang die Besu­chen­den­strö­me im Haus kom­plett ver­än­dern. Der neue Zugang zu den Aus­stel­lungs­be­rei­chen der Lade­stra­ße über das 1. OG im Spec­trum stellt die Pla­ner noch vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Der Über­gang ins Haupt­haus mit dem Anschluss in der Dau­er­aus­stel­lung Schiff­fahrt bedeu­tet eine neue Besu­chen­den­füh­rung für alle Berei­che des Museums. 

Die Pla­nun­gen für ein neu­es Ein­gangs­ge­bäu­de sind gut ange­lau­fen. Schon nach weni­gen Sit­zun­gen ist klar: Die Kom­ple­xi­tät eines Bau­pro­jekts die­ser Grö­ße im Bestand ist beein­dru­ckend. Bleibt zu hof­fen, dass mit Abschluss der Pla­nun­gen 2028 die Haus­halts­la­ge des Lan­des Ber­lin eine zuver­läs­si­ge Umset­zung der Pla­nung ermög­licht. Die zahl­rei­chen Besu­chen­den des Deut­schen Tech­nik­mu­se­ums wür­den dies sicher­lich sehr begrüßen.

Joa­chim Breuninger

Joachim Breuninger ist Historiker und seit 2020 Vorstand der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Davor leitete er das Verkehrsmuseum Dresden.