Grü­ner, küh­ler, resilienter

Was die Stadt der Zukunft auszeichnet

Hit­ze­wel­len tref­fen ver­sie­gel­te Innen­städ­te beson­ders hart, Stark­re­gen über­for­dert die Kana­li­sa­ti­on: Wie wird eine Stadt fit für ein Kli­ma mit zu viel Wär­me und zu viel Was­ser? Ein Blick auf urba­ne Hit­ze­inseln, das Schwamm­stadt-Prin­zip und blau-grü­ne Infrastrukturen.

Der Som­mer 2021 dürf­te vie­len Men­schen in Erin­ne­rung geblie­ben sein – nicht wegen der Hit­ze allein, son­dern wegen der Flut. Wäh­rend im Ahrtal gan­ze Ort­schaf­ten weg­ge­spült wur­den, ver­zeich­ne­ten Städ­te wie Köln und Düs­sel­dorf Über­flu­tun­gen in Unter­füh­run­gen und Kel­lern. Drei Jah­re spä­ter traf schwe­res Hoch­was­ser wei­te Tei­le Süd­deutsch­lands. Dazwi­schen lagen immer wie­der Hit­ze­wel­len, die Not­auf­nah­men füll­ten und Strom­lei­tun­gen weich mach­ten. Was noch vor einer Gene­ra­ti­on als Aus­nah­me galt, häuft sich heu­te spürbar.

Unse­re Städ­te beher­ber­gen über drei Vier­tel der deut­schen Bevöl­ke­rung, sind Kno­ten­punk­te der Wirt­schaft und Kul­tur – und gleich­zei­tig beson­ders expo­nier­te Orte in einer Zeit des Kli­ma­wan­dels. Denn das, was eine Stadt aus­macht – die Dich­te, der Beton, die Ver­sie­ge­lung –, macht sie anfäl­li­ger für die Fol­gen stei­gen­der Tem­pe­ra­tu­ren und ver­än­der­ter Nie­der­schlags­mus­ter. Dabei trifft der Kli­ma­wan­del auf Städ­te, die ohne­hin schon unter erheb­li­chem Druck ste­hen: Demo­gra­phi­scher Wan­del, ange­spann­te Woh­nungs­märk­te, kon­kur­rie­ren­de Flä­chen­an­sprü­che und hoher Res­sour­cen­ver­brauch stel­len eigen­stän­di­ge Her­aus­for­de­run­gen dar, die sich mit dem Kli­ma­wan­del wech­sel­sei­tig verstärken.

Die Stadt als Hitzeinsel

Wer im Hoch­som­mer mit dem Fahr­rad vom Stadt­rand in die Innen­stadt fährt, spürt es oft kör­per­lich: Die Luft wird dich­ter, schwe­rer, hei­ßer. Das ist kei­ne Ein­bil­dung, son­dern Phy­sik. Städ­ti­sche Ober­flä­chen – Asphalt, Beton, Zie­gel – neh­men tags­über Son­nen­wär­me auf und geben sie nachts wie­der ab. Bäu­me und Grün­flä­chen, die durch Ver­duns­tung küh­len wür­den, feh­len vie­ler­orts. Das Ergeb­nis ist die soge­nann­te urba­ne Hit­ze­insel: Im Jah­res­mit­tel kann die Luft­tem­pe­ra­tur in einer Groß­stadt bis zu zwei Grad Cel­si­us höher lie­gen als im länd­li­chen Umland; bei Extrem­wet­ter­la­gen kön­nen die Unter­schie­de deut­lich grö­ßer ausfallen.

Der Kli­ma­wan­del ver­schärft die­sen Effekt. Hei­ße Tage über 30 Grad und soge­nann­te Tro­pen­näch­te – in denen die Tem­pe­ra­tur nicht unter 20 Grad sinkt – neh­men in deut­schen Städ­ten zu. Der Orga­nis­mus kann sich in sol­chen Näch­ten kaum erho­len. Das hat Fol­gen: Beson­ders betrof­fen sind älte­re Men­schen, Klein­kin­der, Erkrank­te und Men­schen ohne Zugang zu kli­ma­ti­sier­ten Räu­men. Schät­zun­gen des Robert- Koch-Insti­tuts zufol­ge ster­ben in Deutsch­land durch­schnitt­lich rund 3.000 Men­schen pro Jahr in Fol­ge von Hit­ze­wel­len. Dabei ist die Hit­ze­be­las­tung in dicht besie­del­ten Innen­stadt­quar­tie­ren mit wenig Grün am höchs­ten – dort, wo häu­fig auch Bevöl­ke­rungs­grup­pen mit gerin­ge­ren Ein­kom­men leben. Hit­ze ist damit nicht nur ein kli­ma­ti­sches, son­dern auch ein sozia­les Pro­blem mit unglei­cher Betroffenheit.

Wenn der Regen zur Gefahr wird

Neben der Hit­ze ist Stark­re­gen eine wach­sen­de Her­aus­for­de­rung für Städ­te. Der Kli­ma­wan­del ver­än­dert nicht nur, wie viel Was­ser fällt, son­dern auch, wie es fällt: in kür­ze­ren Zeit­räu­men, mit höhe­rer Inten­si­tät. Ver­sie­gel­te Flä­chen kön­nen das Was­ser nicht auf­neh­men, die Kana­li­sa­ti­on ist auf sol­che Extrem­ereig­nis­se nicht aus­ge­legt. Das Ergeb­nis sind voll­ge­lau­fe­ne Kel­ler, über­flu­te­te Stra­ßen und Schä­den an der Infra­struk­tur. Und manch­mal, wie 2021 im Ahrtal, Kata­stro­phen mit Todesopfern.

Die Her­aus­for­de­rung ist dabei struk­tu­rell: Die­sel­be Stadt, die im Som­mer unter Hit­ze und Tro­cken­heit lei­det, kann weni­ge Wochen spä­ter mit Über­flu­tun­gen kämp­fen. Die Fak­to­ren, die den Hit­ze­insel­ef­fekt ver­stär­ken – Boden­ver­sie­ge­lung, feh­len­de Grün­flä­chen, dich­te Bebau­ung –, erschwe­ren gleich­zei­tig die Auf­nah­me von Regen­was­ser. Eine kli­ma­an­ge­pass­te Stadt­ent­wick­lung muss daher an bei­den Pro­ble­men gleich­zei­tig ansetzen.

Mehr­fa­che Herausforderungen

Der Kli­ma­wan­del trifft auf Städ­te, die bereits ande­ren lang­fris­ti­gen Ent­wick­lun­gen Rech­nung tra­gen müs­sen. Der demo­gra­phi­sche Wan­del ver­än­dert die Anfor­de­run­gen an das Woh­nen und die städ­ti­sche Infra­struk­tur: Der Anteil älte­rer, oft allein­le­ben­der Men­schen wächst – eine Bevöl­ke­rungs­grup­pe, die gegen­über Hit­ze­ereig­nis­sen beson­ders vul­nerabel ist und gleich­zei­tig bar­rie­re­freie Woh­nun­gen sowie wohn­ort­na­he Ver­sor­gungs­an­ge­bo­te benötigt.

Hin­zu kommt der Flä­chen­druck. In den meis­ten deut­schen Groß­städ­ten ist der Woh­nungs­markt ange­spannt. Auf den­sel­ben Flä­chen soll gebaut, begrünt, rena­tu­riert, Ener­gie erzeugt und Gewer­be ange­sie­delt wer­den. Die kon­kur­rie­ren­den Ansprü­che an den städ­ti­schen Boden sind schwer lös­bar – Flä­chen, die als Kalt­luft­schnei­sen oder Über­flu­tungs­puf­fer die­nen könn­ten, ste­hen häu­fig unter Bebauungsdruck.

Schließ­lich ist der Res­sour­cen­ver­brauch selbst Teil des Pro­blems: Städ­te sind welt­weit für einen erheb­li­chen Anteil der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ver­ant­wort­lich. Gebäu­de, Ver­kehr und Infra­struk­tur tra­gen dazu bei – und hei­zen damit die Atmo­sphä­re auf, die sich als Extrem­wet­ter in den Städ­ten zurück­mel­det. Die­se Ent­wick­lun­gen ver­stär­ken sich gegen­sei­tig und erfor­dern inte­grier­te Ant­wor­ten in der Stadtplanung.

Grün und Blau als Anpassungsstrategie

Stadt­grün zählt zu den wir­kungs­volls­ten Kli­ma­an­pas­sungs­stra­te­gien. Bäu­me küh­len durch Ver­duns­tung und Beschat­tung; eine gut begrün­te Stra­ße kann an einem Hit­ze­tag meh­re­re Grad küh­ler sein als eine voll­stän­dig ver­sie­gel­te. Parks und Grün­flä­chen pro­du­zie­ren nachts Kalt­luft, die über soge­nann­te Frisch­luft­schnei­sen – Täler, Bahn­tras­sen, Fluss­läu­fe – in die wär­me­ren Innen­städ­te fließt. Dach­be­grü­nun­gen hal­ten Regen­was­ser zurück, mil­dern den Wär­me­stau auf Gebäu­den und ver­rin­gern gleich­zei­tig das Über­flu­tungs­ri­si­ko. Fas­sa­den­be­grü­nung kühlt die Gebäu­de­hül­le und damit die direk­te Umgebung.

Eben­so bedeut­sam ist das Stadt­blau – Gewäs­ser, Bäche, Tei­che und Was­ser­flä­chen. Sie ver­duns­ten Feuch­tig­keit, küh­len ihre Umge­bung und bie­ten Lebens­raum für Flo­ra und Fau­na. Vie­le Städ­te rena­tu­rie­ren heu­te Fließ­ge­wäs­ser, die im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert kana­li­siert oder unter­ir­disch ver­legt wur­den – weil die­se natür­li­chen Sys­te­me Leis­tun­gen erbrin­gen, die tech­ni­sche Infra­struk­tur allein nicht erset­zen kann.

Von der Hit­ze­insel zur Schwammstadt

Jahr­zehn­te­lang wur­de Was­ser in Städ­ten als Pro­blem behan­delt und soll­te mög­lichst schnell abge­lei­tet wer­den. Flüs­se wur­den kana­li­siert oder ganz ver­rohrt – in Aachen ver­schwand die Pau schon im Mit­tel­al­ter unter Stein­plat­ten, in vie­len Städ­ten folg­ten im 19. und 20. Jahr­hun­dert die klei­nen inner­städ­ti­schen Bäche. Heu­te holt man sie man­cher­orts wie­der ans Licht. Die was­ser­sen­si­ble Stadt­ge­stal­tung hat begrif­fen: Was­ser ist kein Bal­last, son­dern ein wirk­sa­mes Mit­tel zur Küh­lung der Stadt.

Das Kon­zept der Schwamm­stadt, bekannt gewor­den in Kopen­ha­gen und inzwi­schen in vie­len deut­schen Städ­ten ver­an­kert, kehrt die alte Logik um. Statt Regen in die Kana­li­sa­ti­on zu schi­cken, soll er dort blei­ben, wo er fällt: in ver­si­cke­rungs­fä­hi­gen Böden, in Mul­den, auf Grün­dä­chern, in unter­ir­di­schen Rigo­len, in den Wur­zel­räu­men von Bäu­men. Die Stadt funk­tio­niert dann wie ein Schwamm – sie nimmt das Was­ser auch bei Stark­re­gen noch auf und gibt es bei Tro­cken­heit lang­sam wie­der ab. Die Stadt­bäu­me pro­fi­tie­ren, der urba­ne Hit­ze­insel­ef­fekt wird gemil­dert, Kel­ler blei­ben tro­cken. Eine Stu­die aus Kana­da hat gezeigt, dass ver­sie­gel­te Flä­chen­an­tei­le einen über­pro­por­tio­nal gro­ßen Ober­flä­chen­ab­fluss gegen­über begrün­ten Flä­chen erzeu­gen. Um dem Pro­blem des städ­ti­schen Ober­flä­chen­ab­flus­ses zu begeg­nen, hat die Ber­li­ner Senats­ver­wal­tung eigens eine Regen­was­ser­agen­tur gegrün­det. Im Ruhr­ge­biet haben sich sech­zehn Städ­te zur „Zukunfts­in­itia­ti­ve Klima.Werk“ zusam­men­ge­schlos­sen, um das Grau aus den Quar­tie­ren zu ver­ban­nen. In Leip­zig ent­steht mit „Leip­zig 416“ ein gan­zes abfluss­lo­ses Stadt­vier­tel – ein Real­la­bor für die Stadt von morgen.

Soge­nann­te blau-grü­ne Infra­struk­tu­ren sind nicht zuletzt eng mit der mensch­li­chen Gesund­heit ver­knüpft. Die For­schung zeigt Zusam­men­hän­ge zwi­schen dem Grün­an­teil im Wohn­um­feld und nied­ri­ge­ren Stress­wer­ten, gerin­ge­rer Herz-Kreis­lauf-Mor­bi­di­tät und höhe­rer psy­chi­scher Belast­bar­keit – Effek­te, die auch unab­hän­gig von Ein­kom­men und Bil­dung nach­weis­bar sind und von denen gera­de Men­schen mit nied­ri­ge­rem sozio­öko­no­mi­schem Sta­tus beson­ders pro­fi­tie­ren. Urba­ne Blau­räu­me ent­fal­ten dabei eige­ne Wir­kun­gen: Gewäs­ser­er­leb­nis­se wir­ken stress­mil­dernd und för­dern sozia­le Inter­ak­ti­on. Natür­li­che Umge­bun­gen laden zudem zu Bewe­gung und Begeg­nung ein. Gleich­wohl besteht in vie­len deut­schen Städ­ten ein Ziel­kon­flikt: Auch Grün- und Was­ser­flä­chen ste­hen unter Bebau­ungs­druck, und ihr Aus­bau kon­kur­riert mit engen kom­mu­na­len Finanzspielräumen.

Kli­ma­schutz und Kli­ma­an­pas­sung: Zwei Sei­ten einer Medaille

In der kom­mu­na­len Pra­xis wird zuneh­mend deut­lich, dass Kli­ma­schutz und Kli­ma­an­pas­sung kei­ne gegen­sätz­li­chen, son­dern kom­ple­men­tä­re Auf­ga­ben sind. Gut gedämm­te Gebäu­de ver­brau­chen weni­ger Ener­gie zum Hei­zen und blei­ben im Som­mer küh­ler. Stadt­bäu­me spei­chern Koh­len­stoff und küh­len gleich­zei­tig – am wirk­sams­ten sind dabei struk­tur­rei­che Wald­be­stän­de und zusam­men­hän­gen­de Gehöl­ze. Grü­ne Dächer spa­ren Heiz­ener­gie und puf­fern Stark­re­gen. Eine auf Fuß- und Rad­ver­kehr aus­ge­rich­te­te Stadt­struk­tur redu­ziert Emis­sio­nen und schafft Raum für mehr Begrü­nung. Die klügs­ten Maß­nah­men wir­ken auf bei­den Ebe­nen zugleich, und wirk­sa­mer Kli­ma­schutz begrenzt das Aus­maß der Fol­gen, an die sich Städ­te anpas­sen müssen.

Das Deut­sche Insti­tut für Urba­nis­tik (Difu) zeigt in regel­mä­ßi­gen Befra­gun­gen von Bür­ger­meis­te­rin­nen und Bür­ger­meis­tern, dass kom­mu­na­ler Kli­ma­schutz inzwi­schen brei­te poli­ti­sche Auf­merk­sam­keit genießt. Die Kli­ma­an­pas­sung rückt, auch infol­ge von Extrem­ereig­nis­sen wie der Ahr­flut oder den Über­schwem­mun­gen in Süd­deutsch­land 2024, zuneh­mend in den Fokus kom­mu­na­ler Pla­nung. Bis­her gehört sie aller­dings nicht zu den Pflicht­auf­ga­ben der Kom­mu­nen, was Hand­lungs­spiel­räu­me und Res­sour­cen­ver­füg­bar­keit beeinflusst.

Rah­men­be­din­gun­gen und offe­ne Fragen

Kli­ma­an­pas­sung erfor­dert erheb­li­che Inves­ti­tio­nen – in Grün­in­fra­struk­tur, in die Anpas­sung von Gebäu­de­be­stän­den, in Kana­li­sa­ti­on und Was­ser­in­fra­struk­tur sowie in Früh­warn­sys­te­me und Not­fall­plä­ne. Ein Rechts­gut­ach­ten im Auf­trag des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums von 2024 kommt zu dem Schluss, dass die bestehen­de Kom­pe­tenz- und Finan­zie­rungs­ver­tei­lung zwi­schen Bund und Län­dern eine koor­di­nier­te Kli­ma­an­pas­sung erschwert und ent­wi­ckelt kon­kre­te Vor­schlä­ge für eine neue ver­fas­sungs­recht­li­che Gemein­schafts­auf­ga­be in die­sem Bereich.

Par­al­lel ent­wi­ckeln immer mehr Kom­mu­nen Gefah­ren­und Risi­ko­kar­ten, die zei­gen, wel­che Quar­tie­re beson­ders hit­ze­ge­fähr­det sind oder wo Über­flu­tungs­ri­si­ken bestehen. Das Bun­des­in­sti­tut für Bau‑, Stadt- und Raum­for­schung (BBSR) hat im letz­ten Jahr Indi­ka­to­ren vor­ge­legt, mit denen Städ­te Fort­schrit­te bei der Kli­ma­an­pas­sung mess­bar machen kön­nen – dar­un­ter der Anteil kli­ma­ak­ti­ver Grün­flä­chen, die Baum­be­de­ckung und ein Maß für den natur­na­hen Was­ser­haus­halt. Sol­che Instru­men­te sol­len hel­fen, poli­ti­sche Zie­le zu kon­kre­ti­sie­ren und Maß­nah­men zu priorisieren.

Eine wei­te­re Fra­ge betrifft die sozia­le Ver­tei­lung von Kli­ma­ri­si­ken und Anpas­sungs­maß­nah­men. Hit­ze­ge­fähr­dung, Über­flu­tungs­schä­den und man­geln­der Zugang zu Grün­flä­chen kon­zen­trie­ren sich häu­fig in Quar­tie­ren mit ein­kom­mens­schwä­che­rer Bevöl­ke­rung. Die Fra­ge, wie Kli­ma­an­pas­sungs­maß­nah­men räum­lich ver­teilt und finan­ziert wer­den, ist damit auch eine stadt­ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Frage.

Aus­blick: Die Stadt als Labor

In deut­schen Städ­ten lau­fen bereits zahl­rei­che Pro­jek­te, die zei­gen, wie kli­ma­an­ge­pass­te Stadt­ent­wick­lung aus­se­hen kann: Schwamm­städ­te, die Regen­was­ser in der Flä­che hal­ten statt es abzu­lei­ten; begrün­te und ent­sie­gel­te Stra­ßen­räu­me; Kühl­zen­tren in öffent­li­chen Gebäu­den für vul­nerable Bevöl­ke­rungs­grup­pen; Fas­sa­den, die Begrü­nung und Pho­to­vol­ta­ik kom­bi­nie­ren; Stra­ßen und Plät­ze mit was­ser­durch­läs­si­gen Belä­gen und Stadt­bäu­men. Die­se Ansät­ze sind erprobt, und ihre Wirk­sam­keit ist in vie­len Fäl­len belegt. Städ­te waren his­to­risch immer Orte der Anpas­sung – an ver­än­der­te Wirt­schafts­struk­tu­ren, an tech­no­lo­gi­sche Umbrü­che, an demo­gra­phi­sche Ver­schie­bun­gen. Die Kli­ma­an­pas­sung stellt eine wei­te­re, in ihrem Aus­maß und ihrer Dring­lich­keit beson­de­re Auf­ga­be dar. Die Kli­ma­fol­gen der kom­men­den Jahr­zehn­te sind durch ver­gan­ge­ne Emis­sio­nen bereits in erheb­li­chem Maß fest­ge­legt. Die Stadt­for­schung geht davon aus, dass Städ­te, die heu­te in Anpas­sungs­maß­nah­men inves­tie­ren, lang­fris­tig gerin­ge­re Schä­den und Kos­ten ver­zeich­nen wer­den als sol­che, die abwar­ten. Wel­che Maß­nah­men jeweils prio­ri­tär sind, hängt von loka­len Gege­ben­hei­ten, ver­füg­ba­ren Res­sour­cen und poli­ti­schen Abwä­gun­gen ab. Klar ist, dass die Ent­schei­dun­gen, die heu­te in der Stadt­ent­wick­lung getrof­fen wer­den, die Lebens­qua­li­tät in deut­schen Städ­ten für Jahr­zehn­te prä­gen werden.


Die in die­sem Bei­trag ver­wen­de­ten Quel­len umfas­sen Stu­di­en des Bun­des­in­sti­tuts für Bau‑, Stadt- und Raum­for­schung (BBSR), des Deut­schen Insti­tuts für Urba­nis­tik sowie wei­te­re wis­sen­schaft­li­che Fach­pu­bli­ka­tio­nen zu urba­ner Hit­ze, Stadt­grün und kom­mu­na­ler Klimapolitik.

Moritz Ochs­mann

Moritz Ochsmann forscht am Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) zu Klimaanpassung und Stadtentwicklung in Deutschland.